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Geschichte

Der Bau des Bürgerhauses – eine Gemeinschaftsleistung der Bürger Rattenkirchens

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Bürger für die Gegenwart und Zukunft des Ortes

 

Natürlich wusste man, dass es einmal so kommen würde, und dennoch war es eine Überraschung, als im Mai 2008 die Wirtin der einzig verbliebenen Gastwirtschaft unseres Ortes mitteilte, sie werde im Mai 2009 ihren Pachtvertrag nicht verlängern. Die Genehmigung eines neuen Pachtvertrages wäre an den hygienischen und energetischen Gegebenheiten der Gaststätte gescheitert, und eine grundlegende Sanierung wurde vom Besitzer nicht in Erwägung gezogen. Doch wo sollte man sich in Zukunft treffen? Vor allem für Vereine wäre das ein großes Problem geworden, da es keinen Ort mehr geben würde, wo Veranstaltungen oder Versammlungen stattfinden könnten.

 

Jedem Rattenkirchner Bürger war klar, dass der Verlust unserer Kommunikations- und Vereinsstätte zum Verlust der Identität unseres 950 Seelendorfes und des regen Vereinslebens führen würde. Schützen und Sänger, Freizeitsportler, Kartenspieler, Stammtischler und die Jugend unseres Ortes würden sich anderweitig orientieren und schon bald den inneren Bezug zu unserem liebens- und lebenswerten Heimatort verlieren.

 

Die Bürger Rattenkirchens – an ihrer Spitze Bürgermeister Rupert Aigner – wurden aktiv. In einer bis auf den letzten Platz besetzten Versammlung – dazu hatte man eigens ein Zelt aufgestellt, da die Gaststätte dem Ansturm nicht gewachsen gewesen wäre – stellte Bürgermeister Aigner in einer leidenschaftlichen Rede die Konsequenzen für das gemeindliche Leben ohne ein Bürgerhaus dar, warb für den Bau eines solchen und appellierte an das freiwillige Engagement seiner Bürger. Bei diesen rannte er offene Türen ein, und so ging man mit der Gewissheit nach Hause, trotz der angespannten finanziellen Lage der Gemeinde gemeinsam etwas Großes für die Gegenwart und die Zukunft unseres Ortes schaffen zu können.

 

Ein geeignetes Grundstück war vorhanden, denn die Gemeinde hatte bereits in den neunziger Jahren ein altes Haus neben der Kirche gekauft, dieses abgerissen und einen Dorfplatz erstellt. Die Räumlichkeiten des Bürgerhauses sollten sich an den Bedürfnissen der Vereine und Bürger orientieren. Somit mussten ein Saal für größere, sowie ein Nebenzimmer für kleinere Veranstaltungen, eine Schänke mit Stammtisch, ein Schützenstand, ein Probenraum für den Gesangverein, ein Aufenthaltsraum für die Jugend und Umkleide- und Duschgelegenheiten für die Freizeitsportler eingeplant werden. Hinzu kamen ein Büro für den Bürgermeister, ein Sitzungszimmer für den Gemeinderat sowie eine öffentliche Toilette für Veranstaltungen am Dorfplatz. Unter Hinweis auf die zeitliche Enge wurden mit Hilfe des Landratsamtes die Baupläne schnell genehmigt, und bereits im August des Jahres 2008 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

 

Der gesamte Bau des Bürgerhauses ist eine einmalige Gemeinschaftsleistung der Bürger Rattenkirchens. Auch viele ortsansässige Firmen haben sich mit hohen freiwilligen Leistungen in den Bau eingebracht.

 

Bürgermeister Aigner nahm die Gesamtleitung und die Koordination des Baus in die Hand.

 

Unter Leitung eines einzigen Bauarbeiters, der von der die Bauaufsicht übernehmenden Firma abgestellt wurde, standen bis zur Fertigstellung des Rohbaus jeden Tag um 7.00 Uhr, von Montag bis Freitag, 10 bis 15 rüstige Rattenkirchener Rentner auf der Baustelle, zum Teil selbst vom Fach, und arbeiteten bis 17.00 Uhr. Um 9.00 gab es eine von Rattenkirchner Bürgern gestiftete Brotzeit, um 15.00 Uhr brachten Rattenkirchner Frauen Kaffee und Kuchen. Ab Freitagmittag wurden die Rentner von der „arbeitenden Bevölkerung“ Rattenkirchens abgelöst, die nun am Wochenende dort weiter machte, wo die Rentner aufgehört hatten. Die Bereitschaft zur Mitarbeit war so groß, dass sich an manchen Wochenenden bis zu 35 Helfer auf der Baustelle befanden. Besonders erfreulich war, dass sich auch die Jugend beteiligte und kräftig mithalf und somit alle Altersgruppen von 15 bis 75 Jahren vertreten waren. Der Baufortschritt erfolgte in solchem Tempo – unter Mithilfe unseres Herrgotts, der uns stets freundliches Wetter schickte -, dass die Zimmerer mit der Herstellung des Dachstuhls in leichten Verzug kamen. Bereits Anfang November stand der Rohbau, und somit konnte an den Innenausbau gegangen werden. Auch hier zeigte sich der Vorteil einer handwerklich ausgerichteten Bevölkerung, denn die vielen Schreiner, Fliesenleger und Installateure machten sich mit Feuereifer an die Arbeit. Hinzu kam, dass z.B. die ortsansässige Schreinerei ihre gesamte Werkstatt mit allen Maschinen zur Verfügung stellte, sodass alle Fenster und die vielen anderen Holzarbeiten zügig erstellt werden konnten.

 

Die Befürchtung, im Laufe der Zeit könnte die Begeisterung und Bereitschaft zur Mitarbeit abnehmen, war unbegründet. Im Gegenteil, immer mehr Leute aus der Gemeinde wollten an diesem gemeinsamen Projekt teilhaben und stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung, wobei die vorbildliche Haltung des 1. Bürgermeisters, der jeden Tag auf der Baustelle zu sehen war und mithalf, sicherlich auch als Ansporn diente. Letztendlich waren es 156 Rattenkirchner Bürger, die mit ca. 30 000 freiwilligen Arbeitsstunden ihre Arbeitskraft einbrachten und somit zur Verwirklichung dieses gemeinsamen Projekts ihren Beitrag leisteten.

 

Besonders erwähnt werden muss die Tatsache, dass keinerlei öffentliche Zuschüsse beantragt wurden, vielmehr schultern Bürger und Gemeindeverwaltung die Kosten alleine. Dabei war neben der hohen Arbeitsleistung auch die Spendenbereitschaft der Rattenkirchner ein weiterer wichtiger Baustein, die zugleich die gesamte positive Einstellung der Bevölkerung zu diesem Projekt verdeutlicht. Unsere kleine Gemeinde mit ihren etwas über 900 Einwohnern brachte es auf ein Spendenvolumen von 180 000 €. Somit konnte die von finanziellen Nöten geplagte Gemeinde entlastet werden.

 

Im September 2009, nach nur einem Jahr Bauzeit, konnte dieses großartige, die positive Entwicklung unseres Dorflebens nachhaltig tragende Gemeinschaftsprojekt der Rattenkirchener Bürgerinnen und Bürger seiner Bestimmung übergeben werden. Möglich wurde dies nur, weil sich viele Bürger unserer Gemeinde ihrer Verantwortung für die Zukunft Rattenkirchens bewusst waren und sich freiwillig in den Dienst des Gemeinwohls stellten.

 

Das Bürgerhaus im Dorfleben

Seit dem 09.09.2009 steht das Bürgerhaus den Rattenkirchner Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung, und es ist zu dem geworden, was man sich erhofft hatte: zum Mittelpunkt unseres dörflichen Lebens!

 

Betrieben wird das Bürgerhaus von einem Team aus elf Frauen unter der Leitung des ehemaligen Bürgermeister Rupert Aigner. Die Öffnungszeiten richten sich in erster Linie nach den Bedürfnissen der Vereine: Am Mittwoch probt der Gesangverein und es sind die Freizeitsportler aktiv. Außerdem finden auch die Seniorennachmittage sowie Vorträge oder Mitgliederversammlungen statt. Am Freitag halten die Hauner Schützen und am Samstag die Eichenlaubschützen ihre Schießabende ab. Sonntags ist ab 9.00 Uhr geöffnet, um den Kirchgängern im Anschluss an die Messe einen zünftigen Frühschoppen zu ermöglichen.

 

Doch auch allen anderen stehen die Türen des Bürgerhauses offen. Zu unseren regulären Öffnungszeiten bieten wir kleine Gerichte und Brotzeiten an.

Und bei schönem Wetter gibt es natürlich auch einen Biergartenbetrieb! Zusätzlich ist im Sommer am Sonntagnachmittag geöffnet; es werden dann auch selbstgebackene Torten angeboten.

 

In besonderem Maße wird das Bürgerhaus für Familienfeiern angenommen. „Endlich kann man auch in Rattenkirchen feiern“ ist wohl einer der häufigsten Sätze im Zusammenhang mit diesen Feiern, denn bisher mussten die Rattenkirchner in andere Orte ausweichen. Ob Geburtstage, Hochzeiten oder Kommunion, ob Betriebs- oder Weihnachtsfeiern, wir Rattenkirchner können nun endlich in dem Ort feiern, der unser Zuhause ist.

 

Die Wirtschaftlichkeit des Bürgerhauses ist nicht auf Gewinn ausgerichtet. Jeder erwirtschaftete Überschuss fließt sofort in den Schuldendienst. Was aber besonders hervorgehoben werden muss, ist die Tatsache, dass mit dem Bürgerhaus Arbeitsplätze für Rattenkirchener Bürger geschaffen wurden. Mittlerweile ist das Bürgerhaus aufgrund der guten Küche sowie des persönlichen Flairs auch weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

 

Mit dem Bürgerhaus ist es uns gelungen, Orientierung und Einbindung zu ermöglichen und Heimat eigeninitiativ und eigenständig zu gestalten, eine Heimat, die in ihrer Tradition und Überschaubarkeit unser Zusammengehörigkeitsgefühl fördert und dem Leben in unserem Rattenkirchen eine besondere menschliche Qualität verleiht.

 

Wir Rattenkirchener sind sehr, sehr stolz auf unser wunderschönes Bürgerhaus in der Mitte unseres Dorfes gleich neben der Kirche.